Bisweilen zeigt ein Blick auf die Trefferlisten der Suchmaschine „Google“ gesellschaftliche Realitäten deutlicher als aufwändige und langwierige Umfrage-aktionen: Bescheidene 131 Treffer fördert „Google“ für den Suchbegriff „Recht auf Girokonto“ aus den Tiefen des Internets. Die Trefferauswahl erweckt den Eindruck, es handele sich in erster Linie um ein Problem von Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungsstellen – nur einige wenige Beiträge von Betroffenen finden sich zum Thema. Formuliert man die Anfrage allerdings aus Sicht der Betroffenen, denen die Einrichtung eines Kontos regelmäßig unter Verweis auf eine „schlechte Auskunft“ verweigert wird, so zeigt sich ein gänzlich anderes Bild: Rund die 30-fache Treffermenge erzielt eine Suchanfrage, nach einem „Konto ohne Schufa“ (Zum Vergleich: der Suchbegriff „Dschungel Camp“ - ein Thema, welches die Nation, oder doch zumindest die meinungsbildende Presse, erheblich bewegt hat – bringt es auch „nur“ auf rund 5.000 Treffer). Aber nur ein Teil der Fundstellen stammt von betroffenen Schuldnern, die Mehrzahl der Fundstellen verheißt nämlich gleich die Lösung des Problems. „Ohne Schufa, Bonitätsprüfung, diskret, pfändungssicher und dazu noch mit Kreditkarte“ – so wirbt eine Vielzahl von Anbietern. Neben den altbekannten „Banken – ohne – Schufa -Listen“, die per Fax - Polling über teure 0190-8er oder 0900er Mehrwertdienste bezogen werden sollen, hat sich mittlerweile ein stattliches Heer von Anbietern etabliert. Für Preise ab 200,- € wird – unter Vereinbarung abenteuerlicher AGB´s - die Einrichtung eines Kontos in Spanien angeboten, gegen Zahlung einer Kaution auch mit Kreditkarte. Ein breites Spektrum von Konten mit zugehörigen Kreditkarten, bis hin zur Visa – Card Platin für rund 500,- €, bot auch die „Worldbank“ an. Im Gegensatz zur bekannteren „World Bank“ mit Sitz in Washington, hatte es bei der WB-Finance Corporation allerdings nur für einen Firmensitz in New York, in Gestalt eines Büroservices im Empire State Building, gereicht. Dennoch gewann man mit einer massiven Werbekampagne eine Vielzahl von Kunden, die die beworbenen Kontoverbindungen und die versprochenen Prepaid – Kreditkarten zu Beträgen ab 90,- € bestellten. Kunden, die schließlich die Kartenanträge in Händen hielten stellten schnell fest, dass diese auf der Homepage der ausgebenden Bank - mit Sitz auf Zypern und eingetragen in Tansania – zum kostenlosen Download bereit standen. Eine Schufaauskunft zog das Kreditinstitut allerdings tatsächlich nicht, eine Bankreferenz der aktuellen Hausbank sollte genügen…… Angesichts dessen und - wie gerüchteweise verlautete - der übergroßen (rein zufälligen) Namensähnlichkeit, war der „gute“ Name schnell verbrannt und es musste ein Ersatz gefunden werden. Möglicherweise auch als Beispiel für eine neue Bescheidenheit, lies man es eine Nummer kleiner angehen und nannte sich fortan EZB Corporation. Sitz der in Nevada gegründeten Corporation ist das - bislang jedenfalls nicht als relevanter Bankenstandort bekannte - Städtchen Lynden, im Staate Washington (12.ooo Einwohner). Selbstverständlich hat man allerdings auch einen Firmensitz in New York, offensichtlich war man mit dem bereits genutzten Büroservice zufrieden. Obwohl man aus der Provinz kommt, hat man sich doch Großes vorgenommen und beschränkt sich nicht mehr auf die schnöde Vermittlung von Girokonten und Kreditkarten. Brecht leicht abwandelnd –„ Was ist ein Konto in einer Bank gegen die Gründung einer Bank? „ – bietet man den Kontosuchenden gleich die Teilhaberschaft an einer „moderne(n), nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden ausgerichteten Bank“. Diese Wünsche und Bedürfnisse will man in zwei Schritten erfüllen. Zunächst durch die Vermittlung von Konten, Kreditkarten und Finanzierungen ausschließlich an „Mitglieder“ . Zu diesem Zweck weist die EZB ein genehmigtes Aktienkapital von 100 Millionen US-$ aus, das zu 49 Prozent zum Ausgabepreis von 10$ je Aktie gezeichnet werden kann. Die Aktien werden selbstverständlich an keiner Börse gehandelt, dennoch soll das ganze völlig risikolos sein, da die Hälfte des Anlagebetrages in einen hochverzinslichen Fond investiert werde, der den Kapitalerhalt garantiere. Mit der Mindesteinlage von nur 100,-€ erhält man nicht nur ein schufafreies und pfändungssicheres Konto, so wird es versprochen, sondern auch noch eine Mastercard. Erstaunlicherweise erst in einem zweiten Schritt, beabsichtigt die EZB Corporation dann eine Lizenz (als Onlinebank) zu beantragen. Sie will ihr Geschäftsmodell dann einer breiten Öffentlichkeit andienen. Ob es allerdings jemals so weit kommen wird, erscheint fraglich, ermittelt doch bereits das Bundesaufsichtsamt für das Finanzdienstleistungswesen, das anscheinend Bedenken gegen die Reihenfolge des geplanten Geschäftsaufbaus hat und wohl auch eine strengere Auffassung hinsichtlich des Mindestinhaltes eines Aktienprospektes hat
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