Kommentar zum MikroKonto der EthikBank


Bemerkenswert ist es sicherlich, dass erstmals eine deutsche Bank sich mit einem Angebot ausdrücklich an den großen Personenkreis wendet, die trotz einer Selbstverpflichtung der Banken - die in diesem Jahr ihr 10jähriges Jubiläum feiert - noch immer kein Girokonto erhalten.

Bei näherer Betrachtung jedoch entdeckt man die Haken und Ösen dieser Offerte. In erster Linie ist da zunächst der Preis für das Konto zu nennen. Mit 7,50 Euro im Monat liegt er über der Monatspauschale, die die EthikBank für ein normales onlinegeführtes Girokonto berechnet (5 Euro). Bei vielen anderen Banken sind die Gebühren für Guthabenkonten und andere Girokonten inzwischen gleich hoch niedriger . Dieser Unterschied wäre nur mit einem höheren Aufwand für die Führung enes MikroKontos zu rechtfertigen. Der Kontrollaufwand der EthikBank hält sich beim zugelassenen Kundenkreis jedoch in kalkulierbaren Grenzen, da Kontopfändungsmaßnahmen nur noch ausnahmsweise zu erwarten sind.

Es fehlt auch jeder Hinweis darauf, was passiert, wenn die (außer-)gerichtliche Schuldenregulierung scheitert und eine Insolvenzeröffnung gar nicht oder nur mit erheblicher Zeitverzögerung (z.B. wegen Wartezeiten bei geeigneten Stellen) beantragt werden kann. Ebenfalls kein Hinweis darauf, was passiert, wenn die Restschuldbefreiung rechtskräftig erteilt wird: Wird dann das Konto in das preisgünstigere normale Girokonto überführt oder werden weiterhin die dann überhöhten Kontogebühren veranschlagt?.

Nicht zuletzt sind die Kündigungsmöglichkeiten deutlich enger als die der ZKA-Empfehlung. Während bei der EthikBank allgemein Pfändungen als Grund einer Kündigung genannt werden, ist nach der ZKA-Empfehlung die Führung unzumutbar, wenn "die bezweckte Nutzung des Kontos ... nicht gegeben ist, weil z. B. das Konto durch Handlungen vollstreckender Gläubiger blockiert" ist. Leztendlich werden nur Kunden akzeptiert, die in der Lage sind, mit den Gläubigern Vereinbarungen zu treffen und die auch in der Lage sind, ihr Konto online zu führen. Damit kann zwar die Ethikbank eine ganze bestimmte Zielgruppe innerhalb der überschuldeten Haushalte erreichen. Für die überwiegende Zahl der Schuldner bei den Beratungsstellen ist das Konto aufgrund der Bedingungen nicht nutzbar.

Fazit: Eine grundsätzlich gute Idee der EthikBank, die jedoch noch deutlicher Nachbesserung benötigt. Bis dahin dürfte das MikroKonto in erster Linie nur für Schuldner interessant sein, die trotz Unterstützung einer Schuldnerberatungsstelle und Einschaltung der Schlichtungsstellen kein Girokonto erhalten, dessen Gebühren niedriger sind als die der EthikBank oder aber für Wechsler, die Guthabenkonten führen, deren Gebühren höher sind als die der EthikBank.

Thomas Seethaler

© Forum Schuldnerberatung e.V.

Seite drucken

Weiterempfehlen

Home